Solche Meldungen liest man diesen Sommer immer wieder. Man nimmt es bedauernd zur Kenntnis und wendet sich wieder seinen eigenen Problemen zu.

Ganz anders ist es für die, die es hautnah miterleben.
Morgens um 06.50 läutet das Telefon. Es geht um einen Careteam-Einsatz. Meine Frau und ich gehören beide zum Careteam des Kantons Bern. In einem Dorf der Nachbarschaft steht das Ökonomiegebäude eines Bauernhauses im Vollbrand. Der Brand droht auf das Wohnhaus überzugreifen. Wir rücken aus. Schon von weitem sehen wir die hohe Rauchsäule. Wir würden die Brandstätte auch ohne Ortskenntnisse finden. Am Brandplatz suchen wir den Einsatzleiter. Dann geht es um Betreuungsaufgaben. Da sind einmal die direkt Betroffenen, drei Generationen einer Familie, da sind Mitbewohner und Nachbarn. Der Ortspfarrer ist gerade in den Ferien sei. Also erübrigt es sich, ihn aufzubieten. Zudem ist er selbst Mitlied der Feuerwehr, wäre also sowieso vor Ort gewesen.
Auch Polizei und Ambulanz sind anwesend. In unseren ländlichen Verhältnissen kennt man sich. Das ist gut und schafft Vertrautheit mitten in einer schrecklichen Situation.
Weitere Angehörige treffen ein. Die Feuerwehren, auch der Nachbarorte, sind ununterbrochen im Einsatz. Es gelingt ihnen, das Wohnhaus zu retten – dank der guten Brandmauer.
Grossartig ist der Einsatz von Nachbarn und herbeieilenden Bauern und Bäuerinnen. Die meisten Tiere sind rechtzeitig aus der Feuerhölle gerettet worden: alle Kühe und Pferde, fast alle Kälber und Schweine. Wie durch ein Wunder ist dabei kein Mensch zu Schaden gekommen. Die Tiere müssen eingefangen, versorgt, in eine provisorische Unterkunft gebracht, die Kühe gemolken werden. Das alles spielt sich in einer eindrücklichen Selbstverständlichkeit, alle packen an, wo sie können.
Plötzlich kracht mit lautem Bersten das Ökonomiegebäude in sich zusammen. Die Bauernfamilie muss das zum zweiten Mal erleben. Schon vor 20 Jahren ist ihr Hof ein Raub der Flammen geworden.
Auch beim Nachbarn, der das heutige Feuer entdeckt und den Alarm ausgelöst hat, flammen Erinnerungen an den Brand des eigenen Hofes auf. Im Gespräch merken wir, dass wir einander kennen. Vor vielen Jahren habe ich mit einer Konfirmandengruppe in seiner Scheune übernachtet.

Plötzlich fahren Traktoren mit Druckfässern vor. Das Gülleloch ist wegen des Löschwassers am Überlaufen und muss dringend geleert werden.
Die Nachbarfeuerwehren und die Stadtberner Feuerwehr ziehen sich zurück. Das gerettete Wohnhaus darf wieder betreten werden. Die Feuerwehr organisiert ein Zmorgen. Über vier Stunden hat sie gekämpft, jetzt brauchen alle eine Stärkung. Wir verabschieden uns gehen heim. Es ist auch für uns Zeit zum Zmorgen.