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Posted by: Tobler
…verabschiedet sich Jesus von seinen Jüngern. Er geht zurück in den Himmel. Eine christliche Raumfahrtsgeschichte?
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Nach Ostern spüren die Jüngerinnen und Jünger, dass Jesus ihnen nahe ist, sie leitet und begleitet. Wie ein lieber Verstorbener uns nahe sein kann. Doch diese Nähe dauert nicht ewig. „Ihr müsst zurück an eure Aufgabe, hier auf der Erde. Ihr seid dazu fähig, auch ohne mich“, sagt Jesus zur Jüngerschar. Das ist der Abschied von Himmelfahrt.

Auf dem Ölberg versammelt sich die weitverstreute Waldensergemeinde des Salentino, der Gegend zwischen Brindisi und Taranto. Anlass der Zusammenkunft ist ein nachgeholtes Himmelfahrtsfest, der Ort ein Haus mitten in den Olivenhainen auf dem weiten flachen Hügel zwischen Ionischem Meer und der Adria.

Himmelfahrt – Fahrt in andere Zeit- und Raumdimensionen. So kann der Gottesdienst gut viel später als vorgesehen beginnen und dennoch lange dauern – weit über den Mittag hinaus. Zeit ist da, sich vorzustellen, ein neues Lied zu üben, kleine Alphorneinlagen zu hören, das ganze Kapitel 1 der Apostelgeschichte vorzulesen, während der Predigt ausführlich darüber nachzudenken, Abendmahl zu feiern…

Auf dem Ölberg versichert Jesus seiner Jüngerschar, dass er ihre Herzen und Gedanken immer wieder aufrichten, nach oben richten werde, damit sie nicht verzagen bei den Aufgaben, in die sie gestellt werden.

Auf dem Ölberg sammelt die kleine Gemeinde Mut, um an den Orten zu wirken, wo Erschütterungen die Gesellschaft zu lähmen oder zu spalten drohen.

Mut sammeln heisst auch Gemeinschaft, Leib und Seele stärken. Vor dem Haus, unter dem Rebspalier, werden Tische und Stühle aufgestellt – aus den Autos werden die mitgebrachten Köstlichkeiten geholt, eine apulische Spezialität um die andere. Da hätte ich mir wieder den Magen gewünscht, den ich als 20jähriger hatte! Beim Kuchen-Dessert offenbart der Pfarrer der Gemeinde die Bedeutung seines Familiennamens, in dem er „Pfannkuche“ auf Italienisch übersetzt.

Vor kurzem hat die Gemeinde dieses kleine Haus mit Umschwung gekauft. Für denselben Preis hätte es in der Stadt knapp für eine Garage gereicht. „La vigna“ nennen sie diesen Platz liebevoll, weil es ums Haus auch etwas Reben hat. Aus der ehemaligen Tabakkammer (offenbar wurde hier früher Tabak angepflanzt) haben Freiwillige einen kleinen Gottesdienstraum gebaut. Das war die Überraschung für den Pfarrer als er aus seinem Urlaub zurückkam.

Auf dem Ölberg heisst es für mich Abschied nehmen von dieser kleinen, lebhaften Gemeinde, vom Pfarrer Winfried Pfannkuche und seiner Familie.

Bald ist Pfingsten. Die Flammen von Pfingsten brennen sicher nicht nur dort, wo das Öl aus Oliven, sondern auch dort, wo es aus Raps und Nüssen gewonnen wird.

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Posted by: Tobler
Ferrovie del Sud-Est. Der Name stimmt: weiter südlich geht nicht mehr – da ist nur noch Meer, im Osten ebenso. Ich befinde mich mitten im Stiefelabsatz Italiens, in Lecce. Hier besteige ich die kleine, fast nostalgisch alte Bahn. Nach einigem Herumrennen und vielem Fragen bin ich sogar in den Besitz eines Billets gelangt. Der Billetschalter dieser Bahn befindet sich gut versteckt, abseits des Bahnhofs von Trenitalia, in einem kleinen Anbau.
Bald einmal verschwinden die letzten Häuser der Stadt. Die eingleisige Strecke führt mitten durch Olivenhaine, unendlich scheinen sich die graugrünen Bäume über den flachgestreckten Hügelzug hin zu estrecken.
In Maglie heisst es umsteigen. Ich warte, zusammen mit vielen Schülerinnen und Schülern.
Was heisst das nach den Ereignissen in Brindisi?
Endlich kommt das Bähnchen, das Otranto mit Maglie verbindet. Wir steigen ein. Mit freundlichem Nachfragen bekomme ich sogar einen Sitzplatz. Viele müssen stehen. Lange warten wir auf einen verspäteten Anschlusszug. Die Jugendlichen nehmen‘s gelassen. Ausgelassen sind ihre Bemerkungen, die hin- und herfliegen. Dialekt pur. Ich verstehe kaum ein Wort. Es geht mir wie einem Welschen, der brav Hochdeutsch gelernt hat und versucht, den Worten einer wilden Berner Schülerbande zu folgen.

Weiter fahren wir durch Olivenhaine. Plötzlich öffnet sich der Blick, wir sind an der Kante des Hügelzuges angelangt. Hinter dem Grün der Bäume wird das Blau des Meeres sichtbar. Die griechische Landschaft beginnt schon diesseits der Adria. Bald einmal steigen wir beim malerischen Provinzbahnhof von Otranto aus. Die Schüler zeigen mir den Weg zum Meer.

Ein tiefes Blau mit smaragdenen Grüntönen leuchtet mir entgegen, in einer Intensität, die ich kaum je gesehen habe. Ich folge dem Strand und gelange in die Altstadt. Sie mutet orientalisch an mit den weissen Häusern, den flachen Dächern. Die Stadt hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Davon zeugt die mächtige Festung, die den Hafen überragt.

Sicher und gemächlich bringt mich einige Stunden später die kleine Bahn vom äussersten Südosten Italiens zurück. Beim Umsteigen komme ich mit einem Bähneler ins Gespräch. „Diese Bahn ist eine touristische Kostbarkeit“, sage ich ihm. „Wir haben‘s gemerkt, versuchen, so gut es geht, die Bahn zu modernisieren.“ Zeichen davon sind die sauberen Bahnhöfe mit der markant grasgrünen Farbe. Vielleicht reicht es beim nächsten Renovationsschub für eine Hinweistafel im Bahnhof Lecce.
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Auf dem Spaziergang durch die wunderschöne Altstadt von Bari gelange ich zur Basilica di San Nicola. Von der Piazza aus sehe ich direkt aufs Meer. Im Jahr 1087 haben Kaufleute aus Bari die Reliquien von San Nicola im nordafrikanischen Myra an sich genommen und übers Meer in ihre Heimatstadt gebracht. Hundert Jahre später wurde die Basilika eingeweiht, ein Meisterwerk der Romanik. Seine Schlichtheit und Erhabenheit sind überwältigend, die Abendsonne legt auf den hellen Stein einen Hauch von goldener Wärme.
Vorn in der Basilika steige ich in die Gruft hinunter. Eine farbig ausgemalte Säulenhalle empfängt mich; wohltuende Stille herrscht hier unten. Frauen und Männer sitzen in den Bänken, viele ins Gebet vertieft. Für einmal keine kurzbehosten Knipserinnen und Knipser, die überall herumstöbern auf der Jagd nach einem guten Sujet.
Im Zentrum der Gruft steht das Grabmal mit den Gebeinen von San Nicola. Was mich mehr berührt ist eine Inschrift, die besagt: 1984 hat hier Papst Johannes Paul II zusammen mit dem Patriarchen ein Licht angezündet. Seither haben auch die orthodoxen Christen – der Balkan und dessen orthodoxe Kirchen liegen gleich jenseits der Adria – eine Gebetsstätte, die eifrig besucht wird. Mit diesem Licht wurde ein Friedenszeichen gesetzt über die Beschaffung der Reliquien vor fast 1000 Jahren.

Bei meinem Rundgang durch die Stadt stosse ich auf die Ausstellung „Das Gesicht von San Nicola“. Ich betrachte die Bilder verschiedenster Künstler aus verschiedensten Zeiten. Hier hätten auch die vielen Samichlouse-Bilder Platz, die Kinder bei uns im Dezember zeichnen.

Alle diese Bilder rufen die legendäre Gestalt des Nikolaus von Myra in Erinnerung, der in Zeiten grosser Not Menschen in ihren Schwierigkeiten beigestanden ist. Damit sind wir zurück in unserer Gegenwart mit ihren Erschütterungen.
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Der kalte Wind ist unerwartet. Am Tag darauf weiss ich, dass er passt.

Ahnungslos reise ich mit dem Zug der Küste entlang. Bezaubernd die Landschaft und beeindruckend die Landwirtschaft. Hier wird gekonnt produziert. Ganz in Plastic eingehüllt sind die Anlagen mit Tafeltrauben.

Zwischenhalt in Brindisi.
Weiterfahrt nach Lecce.
Hier schalte ich am Abend im Hotel den Fernseher ein und höre und sehe: durch einen Terroranschlag auf eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern in Brindisi ist ein 16jähriges Mädchen ums Leben gekommen, weitere Mädchen sind verletzt, einige schwer.
Beim Abendessen im Hotel läuft der Fernseher; das gibt dem guten Essen einen bitteren Beigeschmack. Die verletzten Mädchen liegen nicht weit vom Hotel entfernt im Spital von Lecce.

Die Schule der verletzten Mädchen trägt den Namen „Morvillo Falcone“, nach der Frau von Giovanni Falcone; vor fast auf den Tag 20 Jahren wurde Morvillo Falcone zusammen mit ihrem Mann von der Maffia mit einem Bombenanschlag umgebracht.

Dieser Anschlag auf die Mädchen erschüttert Italien.
In der Nacht darauf kommt eine weitere Erschütterung: das Erdbeben in Ferrara und Umgebung fordert mindestens 7 Todesopfer.

Der Gottesdienst am Sonntag, die Andacht am Montagmorgen sind Gefässe, die einige der Gefühle auffangen können. Gemeinsam sind die Erschütterungen besser zu tragen.

Neu wird mir bewusst, wie aktuell die Haltung ist, die ein Student, der in einer Stadt mit einer mächtigen Maffia zuhause ist, so beschreibt: „Das Evangelium gibt uns die einzig mögliche Freiheit: Christus allein ist Herr über Leben und Tod. Nur ihn haben wir zu ehren und zu fürchten. So können wir die Macht der Maffia erschüttern und brechen.“
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Gespannt besteige ich am Morgen in Roma Termini den Schnellzug. Bald schon fahren wir in einer weiten Kurve in die Hügel von Lazium hinauf. In der Ferne ist die markante Kuppel von St. Peter zu erkennen. Wir passieren Cassino. Auf dem Berg sehe ich die Klosteranlage, wieder aufgebaut nach dem 2. Weltkrieg. Denn hier fanden erbitterte Kämpfe zwischen den Alliierten und den Deutschen statt.
Eine friedlichere Geschichte ist die der Benediktinermönche; 529 gründete Benedikt von Nursia auf dem Monte Cassino das Kloster, dessen Regel die Abendländische (Kloster-) Geschichte geprägt hat.
Steiler werden die Hügel, karger die Landschaft, die Rebberge und Weizenfelder immer kleiner.
Caserta, am Fuss der Berge, mit dem riesigen Königsschloss, deren Planer sich Versailles zum Vorbild genommen hatten. Von hier aus herrschten die Bourbonenkönige über ihr Reich von Neapel und Sizilien.
Weiter geht’s hinauf, oft durch Tunnel, keine Felder mehr, buschig bewaldet die Hügel. Auf einmal weitet sich der Blick, die Hügel werden flacher. Oft weicht das Grün dem Gelb; Getreidefelder, so weit das Auge reicht; die Gerste ist schon geerntet. Je weiter wir hinunterfahren auf Foggia zu, umso flacher wird die Gegend, grösser werden die Felder. Wir sind in der Getreidekammer Italiens. Hier, in diesem trockenen Klima gedeiht das Getreide mit der Kornqualität, die für eine gute Pasta nötig ist.
Nach Foggia folgen bis an den Horizont reichende Olivenhaine und Rebanlagen (Reb-„Berge“ kann es in dieser Ebene nicht geben).
Vor Barletta leuchtet am Horizont ein blaues Band auf – das Meer, die Adria. Nach einer gut 6 stündigen Reise steige ich in Bari aus. Sonne und Meer und - ein eisiger Wind empfangen mich. Die Einheimischen laufen in Winterjacken und Halstüchern herum. Schnell ziehe ich meinen Pullover an.

18/05: Mein Bettler

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Jeden Tag sitzt er auf der Treppe zur Chiesa Valdese an der Piazza Cavour. Um bequemer zu sitzen, hat er eine Harasse mit einem Karton dort deponiert. Wenn er mich sieht, winkt er. Seinen Namen kenne ich nicht. Auch sein Schicksal nicht, das ihn zum Bettler gemacht hat. Sein Markenzeichen sind ein faltiges freundliches, wettergebräuntes Gesicht und ein kleines Holzkreuz, das er um den Hals trägt.

Der wichtigste Tag für ihn ist der Sonntag. Die Gottesdienstbesucher kennen ihn. Die meisten geben ihm einen Batzen. Davon kann er wieder ein paar Tage leben. Am letzten Sonntag fehlte er vor der Tür. Etwas muss nicht stimmen. Denn schon am Samstag und am Freitag war die Harasse unbesetzt. Meinen Batzen kann ich ihm nicht geben.

Ist ihm etwas zugestossen?
Gestern begegnete ich ihm auf der Strasse. Strahlend begrüsst er mich: er sei im Spital gewesen, Gott sei Dank gehe es ihm jetzt wieder gut. Meinen Batzen nimmt er gern.

Dieser Mann ist nicht der einzige Bettler in Rom. Er hat viele, sehr viele Schicksalsgenossen und Schicksalsgenossinnen, bei einigen muss man auch sagen „Berufs“kollegen. Sie fehlen vor kaum einer der vielen Kirchentüren. Manche stellen ihre Wunden, andere ihre verkrüppelten Beine oder Arme oder ihre kleinen Kinder zur Schau. Mir ist das peinlich. Da bin ich froh, dass ich schon „meinen“ Bettler habe, einen Menschen, mit dem ich über die geschäftliche Beziehung hinaus einen persönlichen Kontakt pflegen kann.


17/05: Auffahrt...

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Posted by: Tobler
…ist in Italien kein Feiertag. Am Tag der Himmelfahrt Christi wird wie gewöhnlich gearbeitet, auch die Vorlesungen finden statt. Immerhin lesen wir in der Morgenandacht den Text zur Auffahrt und singen ein Auffahrtslied – nach einer Melodie, die ich als Weihnachtslied kenne („Hark, the Herold angels sing…“); die Melodie von Mendelssohn ist auch an Auffahrt schön.
Dank einem Geburtstag gibt es am Mittag auf der Terrasse ein festliches Sonntagsessen. Am Abend gehe ich in den gemeinsamen Gottesdienst mit den Methodisten und Lutheranern in die lutherische Kirche.

Italien kommt mit Feiertagen nicht zu kurz. Einer der höchsten Feiertage ist das Fest Mariä Himmelfahrt am 15. August.

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…hat mich getreulich nach Rom begleitet. Hier, in der grossen Aula der Fakultät, habe ich sogar ein vorzügliches Übungslokal. Das geniesse ich sehr.
Heute habe ich in dieser Aula einen Auftritt – die „relazione“ , mein Referat im Seminar für Kommunikation. Als Thema habe ich gewählt „Der Alphornklang und der Klang meines Dialekts“.
Es ist mein erstes Referat auf Italienisch. Ich bin froh, dass ich auf Power-Point nicht nur Bilder von unsern Alphornauftritten in den Bergen, sondern auch einige Stichworte auf Italienisch vorbereitet habe. Ein Mitstudent hat mir geholfen, dass wenigstens das geschriebene Wort ohne Fehler daherkommt.

Selber habe ich bei diesem Referat neu realisiert:
• Das Alphorn – wie jedes Blasinstrument – basiert auf dem Atem. Atem heisst auf Griechisch „pneuma“, auf Lateinisch „spiritus“. Das bedeutet eigentlich, dass jeder Ton mit der Stimme oder dem Blasinstrument ein „geistliches“ Ereignis ist.
• Das Alphorn ruft und ruft damit nach einer Antwort; eine Antwort ist das Echo in den Bergen. Echo bekomme ich unmittelbar nach dem Referat: eine rumänische Mitstudentin zeigt mir ein Bild von Horn-Bläsern aus den Bergen Rumäniens. Ein anderes Echo kommt aus Apulien: nächsten Sonntag werde ich in dort zu einem Gottesdienst im Freien mit dem Alphorn erwartet.

Und der Dialekt? Dass wir sogar „ds Alte Teschtamänt bärndütsch“ und „ds Nöje Teschtamänt bärndütsch“ haben löst Erstaunen aus. Denn Italien kämpft mit einer schwierigen Spannung: es braucht die gemeinsame Sprache, das Italienisch. Je mehr Italiener aber „gut Italienisch“ sprechen, umso mehr verlieren sich die Dialekte und ihr Reichtum. Auch zum Dialekt bekomme ich ein Echo: „Das tönt ja ganz anders als !“.

15/05: Masken

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Im Museo Teatrale del Burcardo bin ich der einzige Besucher mitten im geschäftigen Rom. Die Ausstellung ist klein, aber fein. Besonders interessiert mich der Raum mit den alten Masken der Comedia dell’Arte: Zu den häufigsten Masken gehören die von Harlekin und Pulcinella. Harlekin ist der Clown, Pulcinella mit der Vogelnase ein schlauer Bauer.
Wie komme ich darauf, dieses kleine Museum zu besuchen?

In der praktischen Theologie machte uns Professor Benedetto auf das Buch von Dario Fo „Manuale minimo dell‘attore“ –„ Kleines Handbuch für einen Schauspieler“ aufmerksam.
Dieses Buch lese ich zurzeit mit Staunen und Gewinn; ich bin ja schliesslich Mitglied des Theatervereins Müntschemier und langsam aber sicher gehen wir auf unser nächstes Grossprojekt zu. Die Comedia dell’arte spielt bei Darius Fo eine wichtige Rolle, ebenso der Gebrauch der Masken. Er zeigt auf, dass ein Schauspieler, der eine Maske trägt, auf den Gesichtsausdruck verzichten und sich mit seinem übrigen Körper, mit Haltung und Bewegung ausdrücken muss. Die Maske wird zur zusätzlichen Herausforderung, dient also nicht dem Verstecken, fordert vielmehr dazu auf, mehr aus sich herauszugehen.

Erinnerungen an die alte Kunst der Comedia dell’arte erlebte ich in einer theatralischen Inszenierung nach dem Roman „Orlando“ von Virginia Wolf im Teatro Argentina neben dem Palazzo Burcardo.

Die Auseinandersetzung mit der Maske hat eine theologische Dimension. In den alten Glaubensbekenntnissen heisst es, Gott habe „drei Personen und eine Substanz“. Für unsere heutigen Ohren tönt das absurd. „Persona“ ist aber das lateinische Wort für „Maske“. „Personare“ heisst „hindurch-tönen“.
Gott hat drei „Masken“: „Schöpfer“, „Jesus Christus“ und „Heiliger Geist“ – ist und bleibt derselbe Gott. Hinter den Masken versteckt er sich nicht, sondern zeigt, wer er für uns sein will, sein Wort tönt durch die drei „Personen“ hindurch.

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Posted by: Tobler
Sonntagnachmittag, es ist heiss. Ich suche und finde Schatten im Park von Castel Sant Angelo. Schon von fern höre ich viele Stimmen und Gelächter. Dann sehe ich eine grosse Frauenschar in weiten Gewändern, die auf dem Rasen ihr Pic-nic abhält. Touristinnen aus Indien? Saudi Arabien?
Beim Nähertreten wird mir klar: das sind alles Nonnen. Mit Indien bin ich nicht so daneben. Viele der Nonnen haben dunkle Gesichter – kommen von weit her. Die meisten sind jung, einige sehr jung. Sie bewegen sich leicht und schnell, hüpfen zwischenhinein vor Freude oder Übermut und lachen. Sie scheinen den Tag hier sehr zu geniessen.
Übrigens sehen sie sehr elegant aus mit ihren langen, grauen Röcken, darüber einem leuchtend blauen Umhang und dem blauen Schleier, der im Wind flattert. Die eine oder andere hätte ohne weiteres einem alten Meister Modell sitzen können für ein bezauberndes Madonnenbild.

Nicht zum ersten Mal sehe ich in Rom junge Ordensleute. Die meisten von ihnen stammen – dem Aussehen nach zu schliessen - aus Asien oder Afrika.
Was bewegt diese jungen Leute, in einen Orden zu treten oder Priester zu werden?

Sind sie in Ländern aufgewachsen, wo Glaube und Religion spontaner und unbefangener gelebt werden als bei uns, weniger verkrampft? Hat der Eintritt in die Ordensgemeinschaft auch eine soziale Seite? Der Orden gibt ihrem Leben einen Sinn und eine Richtung; sie bekommen einen Auftrag, eine Aufgabe, eine Ausbildung und Kost und Logis. Das alles ist ihnen – vor allem den Frauen – vielleicht sonst versagt. Befreit sie der Eintritt ins Kloster aus einer Aussichtslosigkeit, in der sie sonst gefangen wären? Das spürte ich auch in einem Gespräch, das ich einmal im Zug mit einem schwarzen Pater, der als Spitalseelsorger in Italien arbeitet, führte.

Vom Park aus gehe ich in ein Café. An der Kasse sitzt eine modisch geschminkte junge Frau. Sie gehört zu den privilegierten Italienerinnen mit einem Arbeitsplatz (allerdings kaum einem gut bezahlten!). Sie sieht fürchterlich gelangweilt aus. Auch einige der Besucherinnen und Besucher des Cafés – trotz der servierten Köstlichkeiten. Was mache ich selber für ein Gesicht, wenn ich so vor mich hin sinne?
Vielleicht haben die fröhlich hüpfenden Nonnen uns wirklich etwas zu bringen!

 
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