03/02: Kollegialität
Gestern wurde ich verabschiedet. Ich war Beirat der „Anlaufstelle Überlastung Landwirtschaft“, einer Einrichtung der Ökonomisch Gemeinnützigen Gesellschaft des Kantons Bern. Ich habe den Aufbau miterlebt und aus meiner Erfahrung mit dem Bäuerlichen Sorgentelefon einiges beisteuern können.
Die „Anlaufstelle Überlastung Landwirtschaft“ vermittelt eine geeignete Kontaktperson, die bereit ist, zur anrufenden Person auf den Hof zu kommen. Vor Ort wird die Lage gemeinsam angeschaut und besprochen. Da kommen kein Gstudierter und keine Theoretikerin, sondern ein erfahrener Bauer, eine anteilnehmenden Berufskollegin. Das macht Mut, dem Problem auf den Grund zu gehen, es anzupacken und wenn nötig Fachleute verschiedenster Berufsrichtungen beizuziehen. Je nach Situation kann auch die Pfarrperson des Dorfes dazu gehören.
Beim Bäuerlichen Sorgentelefon ist es ähnlich: den Telefondienst verrichten Bäuerinnen und Bauern, die speziell für diesen Dienst ausgebildet werden. Ihren Dienst leisten sie von zuhause aus über ein Dienst-Mobiltelefon. Speziell am Sorgentelefon ist, dass sowohl die diensttuende Person am Telefon als auch die Anrufenden anonym bleiben. Das kann eine wesentliche Entlastung sein in ländlichen Verhältnissen, wo jeder jeden kennt und die andern manchmal mehr über einen wissen, als man selber. Am Telefon entsteht so einerseits ein heilsamer Abstand, andererseits eine kollegiale Nähe. Das tut wohl und hilft weiter.
Bei beiden Institutionen beeindruckt mich, wie Bäuerinnen und Bauern ihre Erfahrung und ihr Wissen einsetzen, um Kolleginnen und Kollegen, die in Not geraten sind, beizustehen. Sie tun dies freiwillig und ehrenamtlich.
„Anlaufstelle Überlastung Landwirtschaft“:
079 200 00 44. www.ogg.ch/anlaufstelle.ueberlastung
Bäuerliches Sorgentelefon:
041 820 02 15 www.bauernfamilie.ch
Die „Anlaufstelle Überlastung Landwirtschaft“ vermittelt eine geeignete Kontaktperson, die bereit ist, zur anrufenden Person auf den Hof zu kommen. Vor Ort wird die Lage gemeinsam angeschaut und besprochen. Da kommen kein Gstudierter und keine Theoretikerin, sondern ein erfahrener Bauer, eine anteilnehmenden Berufskollegin. Das macht Mut, dem Problem auf den Grund zu gehen, es anzupacken und wenn nötig Fachleute verschiedenster Berufsrichtungen beizuziehen. Je nach Situation kann auch die Pfarrperson des Dorfes dazu gehören.
Beim Bäuerlichen Sorgentelefon ist es ähnlich: den Telefondienst verrichten Bäuerinnen und Bauern, die speziell für diesen Dienst ausgebildet werden. Ihren Dienst leisten sie von zuhause aus über ein Dienst-Mobiltelefon. Speziell am Sorgentelefon ist, dass sowohl die diensttuende Person am Telefon als auch die Anrufenden anonym bleiben. Das kann eine wesentliche Entlastung sein in ländlichen Verhältnissen, wo jeder jeden kennt und die andern manchmal mehr über einen wissen, als man selber. Am Telefon entsteht so einerseits ein heilsamer Abstand, andererseits eine kollegiale Nähe. Das tut wohl und hilft weiter.
Bei beiden Institutionen beeindruckt mich, wie Bäuerinnen und Bauern ihre Erfahrung und ihr Wissen einsetzen, um Kolleginnen und Kollegen, die in Not geraten sind, beizustehen. Sie tun dies freiwillig und ehrenamtlich.
„Anlaufstelle Überlastung Landwirtschaft“:
079 200 00 44. www.ogg.ch/anlaufstelle.ueberlastung
Bäuerliches Sorgentelefon:
041 820 02 15 www.bauernfamilie.ch
19/01: Marcovaldo
So heisst der „Held“ in der Erzählung von Italo Calvino.
Mit Marcovaldo erlebe ich als Leser fünfmal den Zyklus der vier Jahreszeiten – in 20 kurzen Geschichten. Marcovaldo ist Hilfsarbeiter in einer Firma. Er wohnt mit seiner Frau und den Kindern in einer engen Kellerwohnung einer grossen Stadt. Von seiner Herkunft her hat er den Bezug zur Natur nicht verloren; er begegnet ihr immer wieder, mitten in der Stadt. Zuerst sind es Pilze, die er entdeckt; er macht sich auf die Suche nach der guten Luft und dem klaren Wasser. Er ist ein grosses Kind, das das Staunen nicht verlernt hat. Seine eigenen Kinder bescheren ihm weitere Abenteuer. Zuletzt wird er von seiner Firma zum Weihnachtsmann gemacht; mit Hilfe seiner Kinder führt er das Konsumverhalten und die Geschäftspraktiken unserer Gesellschaft ad absurdum und – arglos wie ein Kind – holt er die Naturgewalten, den weissen Schnee und den wilden Wolf, das Helle und das Dunkle, in seiner Ursprünglichkeit in die Stadt zurück.
An Marcovaldo werde ich in diesem Frühjahr immer wieder denken müssen, wenn ich während meines Studienurlaubs den Arbeitsplatz vom überschaubaren Dorf in die grosse Stadt verlege.
Mit Marcovaldo erlebe ich als Leser fünfmal den Zyklus der vier Jahreszeiten – in 20 kurzen Geschichten. Marcovaldo ist Hilfsarbeiter in einer Firma. Er wohnt mit seiner Frau und den Kindern in einer engen Kellerwohnung einer grossen Stadt. Von seiner Herkunft her hat er den Bezug zur Natur nicht verloren; er begegnet ihr immer wieder, mitten in der Stadt. Zuerst sind es Pilze, die er entdeckt; er macht sich auf die Suche nach der guten Luft und dem klaren Wasser. Er ist ein grosses Kind, das das Staunen nicht verlernt hat. Seine eigenen Kinder bescheren ihm weitere Abenteuer. Zuletzt wird er von seiner Firma zum Weihnachtsmann gemacht; mit Hilfe seiner Kinder führt er das Konsumverhalten und die Geschäftspraktiken unserer Gesellschaft ad absurdum und – arglos wie ein Kind – holt er die Naturgewalten, den weissen Schnee und den wilden Wolf, das Helle und das Dunkle, in seiner Ursprünglichkeit in die Stadt zurück.
An Marcovaldo werde ich in diesem Frühjahr immer wieder denken müssen, wenn ich während meines Studienurlaubs den Arbeitsplatz vom überschaubaren Dorf in die grosse Stadt verlege.
05/01: „Es fehlt der Glaube“
„G.-Spritzen… können Schmerzen lindern. Doch gegen die Krankheit hilft nur eines: Das Vertrauen muss wiederhergestellt werden…G. wäre …mehr als genug da. Es fehlt nur der Glaube“
Ein Predigtausschnitt? Überlegungen eines Arztes?
Falsch! Überschrift und Zitat stammen aus dem Wirtschaftsteil der NZZ vom 1. Dezember. G. ist dort ausgeschrieben. Die Rede ist von „Geld“.
Überschrift und Zitat hätten nicht nur zur Weihnachtszeit gepasst, sondern auch zum Neujahr: Genug Geld? Wer wollte das nicht! Genug Glaube? Das sollten wir einander wünschen!
Ein Predigtausschnitt? Überlegungen eines Arztes?
Falsch! Überschrift und Zitat stammen aus dem Wirtschaftsteil der NZZ vom 1. Dezember. G. ist dort ausgeschrieben. Die Rede ist von „Geld“.
Überschrift und Zitat hätten nicht nur zur Weihnachtszeit gepasst, sondern auch zum Neujahr: Genug Geld? Wer wollte das nicht! Genug Glaube? Das sollten wir einander wünschen!
23/12: Weihnachtsbäume
Samstagmorgen, kurz vor Weihnachten. Es schneit. Ich ziehe mich warm an und gehe zum Schulhausplatz. Die Mitglieder der Forstkommission sind dabei, Weihnachtsbäume, Weiss- und Rottannen, aus unserm Gemeindewald abzuladen. Die Bäume und Bäumchen werden sorgfältig, ungefähr nach Grösse geordnet hingelegt. Der Verkauf beginnt erst um 9 Uhr. Aber schon vorher werden eifrig Bäume hochgehoben, von allen Seiten betrachtet. Man grüsst sich, es werden einige Worte gewechselt, man kennt sich. Neuzugezogene, die zum ersten Mal kommen, lernt man kennen. Vom Glockenturm schlägt’s 9 Uhr. Die Kasse wird eröffnet. Ich bezahle 15 Franken für mein Bäumchen und trage es nach Hause. Seither steht es auf dem Balkontisch und grüsst in die Essnische und die Küche herein.
08/12: Bärner Zibelemärit
Seit meiner Kindheit gehört er zum Jahreslauf: am vierten Montag im November – der Zibelemärit in Bern.
Als Kind besuchte ich meine Mutter, die an einem Märitstand Chacheli-Geschirr für das Säuglingsheim in der Elfenau verkaufte. Übrigens war das einer der ersten Stände ohne Zwiebeln.
Als Schüler hatten wir am Zibelemärit immer ab 16 Uhr schulfrei und eilten direkt ins Gstungg. Uns interessierten damals weder Zwiebeln noch Chacheli – vielmehr, wem wir wie viel Konfetti ins Gesicht werfen konnten.
Seit ich Pfarrer in Müntschemier bin, das sind jetzt über 35 Jahre, gehe ich immer wieder an den Zibelemärit. Viele Gemeindeglieder verkaufen dort Zwiebelzöpfe – „Zübeletrütsche“ im Seeländer Dialekt. Regelmässig treffe ich auf dem Märit ehemalige Konfirmandinnen und Konfirmanden.
Bei uns beginnt der Zibelemärit schon Monate vorher, eigentlich schon im Jahr vorher, beim Bestellen der Zwiebelsamen. Denn nicht jede Zwiebelsorte eignet sich zum Anbinden. Zusammen mit vielen andern Gemüsen wachsen die Zwiebeln im Frühling und Sommer heran. Wenn sie dann gegraben sind und zum Trocknen auf den Feldern liegen, beginnt die Zwiebelzeit. Sorgfältig werden die Zwiebeln dann in Harassen gefüllt, nach Hause geführt, richtig gelagert. Dann brennen in vielen Rüsträumen manchmal bis spät in die Nacht die Lichter. Die Zwiebeln werden von Hand abgerüstet, damit die schön braune oder rote Haut zum Vorschein kommt, mit einem Handtuch werden sie glänzend gerieben, dann zu Zöpfen oder eben Trütschen zusammengebunden. Oft werden sie noch mit Strohblümchen dekoriert. Auch diese Blumen müssen rechtzeitig gesät, gut gepflegt und sorgfältig geerntet und getrocknet werden.
Der Zibelemärit ist der krönende Abschluss einer langen und intensiven Arbeit.
Als Kind besuchte ich meine Mutter, die an einem Märitstand Chacheli-Geschirr für das Säuglingsheim in der Elfenau verkaufte. Übrigens war das einer der ersten Stände ohne Zwiebeln.
Als Schüler hatten wir am Zibelemärit immer ab 16 Uhr schulfrei und eilten direkt ins Gstungg. Uns interessierten damals weder Zwiebeln noch Chacheli – vielmehr, wem wir wie viel Konfetti ins Gesicht werfen konnten.
Seit ich Pfarrer in Müntschemier bin, das sind jetzt über 35 Jahre, gehe ich immer wieder an den Zibelemärit. Viele Gemeindeglieder verkaufen dort Zwiebelzöpfe – „Zübeletrütsche“ im Seeländer Dialekt. Regelmässig treffe ich auf dem Märit ehemalige Konfirmandinnen und Konfirmanden.
Bei uns beginnt der Zibelemärit schon Monate vorher, eigentlich schon im Jahr vorher, beim Bestellen der Zwiebelsamen. Denn nicht jede Zwiebelsorte eignet sich zum Anbinden. Zusammen mit vielen andern Gemüsen wachsen die Zwiebeln im Frühling und Sommer heran. Wenn sie dann gegraben sind und zum Trocknen auf den Feldern liegen, beginnt die Zwiebelzeit. Sorgfältig werden die Zwiebeln dann in Harassen gefüllt, nach Hause geführt, richtig gelagert. Dann brennen in vielen Rüsträumen manchmal bis spät in die Nacht die Lichter. Die Zwiebeln werden von Hand abgerüstet, damit die schön braune oder rote Haut zum Vorschein kommt, mit einem Handtuch werden sie glänzend gerieben, dann zu Zöpfen oder eben Trütschen zusammengebunden. Oft werden sie noch mit Strohblümchen dekoriert. Auch diese Blumen müssen rechtzeitig gesät, gut gepflegt und sorgfältig geerntet und getrocknet werden.
Der Zibelemärit ist der krönende Abschluss einer langen und intensiven Arbeit.
24/11: Güttingen
… ein malerisches Dorf am Bodensee. „Güttingen“ tönt nach gütig und gut. Dorthin fuhr ich kürzlich zur Mitgliederversammlung der srakla (s. Surftipp rechts unten). Es wird eine weite Reise. Güttingen liegt ganz am Rand der Schweiz. Ein Randgebiet, wenigstens aus der Sicht eines Berners. Für einen Anwohner des Bodensees ist das ganz anders. Da liegt Güttingen mitten drin – zwischen Romanshorn und Kreuzlingen.
Während der Versammlung wurde die grosse Arbeit der srakla gewürdigt: vonseiten des Schweiz. Bauernverbandes und vonseiten der Vertreter kantonaler Kirchenbehörden.
Der Geschäftsführer, Pfarrer Lukas Schwyn, und der Präsident, Landwirt und Bezirksrichter Ernst Beyeler, wiesen auf die allarmierende Tatsache hin, dass selbst effizient und modern organisierte Bauern zurzeit nur noch 16 Franken in der Stunde verdienen (Direktzahlungen eingerechnet!). Das hängt direkt mit den tiefen Produzentenpreisen zusammen. Der Bauer erhält immer weniger für seine Produkte, seine Produktionskosten und seine Lebenshaltungskosten steigen aber, wie bei allen andern.
Zu solch ungerechten Vergüt(t)ungen – wir tagen in Güttingen! – darf die Kirche nicht schweigen: „Das tägliche Brot muss so billig sein, dass niemand hungert, und so teuer, dass die Bäuerinnen und Bauern ein menschenwürdiges Leben führen können.“ (Zitat aus dem srakla-Papier „Wege zur zukunftsfähigen Agri-Kultur“).
Während der Versammlung wurde die grosse Arbeit der srakla gewürdigt: vonseiten des Schweiz. Bauernverbandes und vonseiten der Vertreter kantonaler Kirchenbehörden.
Der Geschäftsführer, Pfarrer Lukas Schwyn, und der Präsident, Landwirt und Bezirksrichter Ernst Beyeler, wiesen auf die allarmierende Tatsache hin, dass selbst effizient und modern organisierte Bauern zurzeit nur noch 16 Franken in der Stunde verdienen (Direktzahlungen eingerechnet!). Das hängt direkt mit den tiefen Produzentenpreisen zusammen. Der Bauer erhält immer weniger für seine Produkte, seine Produktionskosten und seine Lebenshaltungskosten steigen aber, wie bei allen andern.
Zu solch ungerechten Vergüt(t)ungen – wir tagen in Güttingen! – darf die Kirche nicht schweigen: „Das tägliche Brot muss so billig sein, dass niemand hungert, und so teuer, dass die Bäuerinnen und Bauern ein menschenwürdiges Leben führen können.“ (Zitat aus dem srakla-Papier „Wege zur zukunftsfähigen Agri-Kultur“).
03/11: Siena und der Wein
Wieder darf ich zwei Wochen in Siena, in der Toskana verbringen. Wieder konzentriere ich mich auf den Italienischkurs. Die Zeit reicht aber auch für eine kulinarische Expedition: im Weinkeller www.permalico.net .
Der Wein schmeckt köstlich, ebenso die Zutaten.
Hinter diesen Köstlichkeiten stecken eine Landschaft und eine Philosophie. Das spüre ich in einem längeren Gespräch, das ich später noch mit dem Präsentator des Weines führen kann.
„Wenn wir Sorge tragen zum Wein und zu seiner Qualität, dann tragen wir auch Sorge zur Landschaft. Denn unsere toskanische Landschaft ist ein Kulturgut. Dazu gehört nicht nur der Wein, sondern auch seine Zutaten: Käse und Fleisch und Brot und Oliven. Wenn wir von lokalen Produzenten kaufen, dann schützen wir die Landschaft. Zum Schutz der Qualität ist unbedingt eine Kontingentierung nötig. Nur so können wir Massenproduktion und Preisdumping verhindern. Chianti Classico – und nicht nur er - darf nur auf der dafür bestimmten Fläche produziert werden.“
Ich spreche ihn darauf an, dass er als Kaufmann hier für eine Einschränkung des Marktes plädiere. „Natürlich“, sagt er, „denn ohne Einschränkungen geht zu viel kaputt.“ Es brauche aber nicht nur Schutz und Regeln, was es vor allem brauche, seien Liebe und Einsatz für die Landschaft und ihre Produkte. Das sagt mein Gesprächspartner unmissverständlich.
Wie viel Wert diese Erkenntnisse sind, lässt sich in Siena und seiner Umgebung sehen. Das macht Mut, sich für die gleichen Werte auch hierzulande einzusetzen.
Der Wein schmeckt köstlich, ebenso die Zutaten.
Hinter diesen Köstlichkeiten stecken eine Landschaft und eine Philosophie. Das spüre ich in einem längeren Gespräch, das ich später noch mit dem Präsentator des Weines führen kann.
„Wenn wir Sorge tragen zum Wein und zu seiner Qualität, dann tragen wir auch Sorge zur Landschaft. Denn unsere toskanische Landschaft ist ein Kulturgut. Dazu gehört nicht nur der Wein, sondern auch seine Zutaten: Käse und Fleisch und Brot und Oliven. Wenn wir von lokalen Produzenten kaufen, dann schützen wir die Landschaft. Zum Schutz der Qualität ist unbedingt eine Kontingentierung nötig. Nur so können wir Massenproduktion und Preisdumping verhindern. Chianti Classico – und nicht nur er - darf nur auf der dafür bestimmten Fläche produziert werden.“
Ich spreche ihn darauf an, dass er als Kaufmann hier für eine Einschränkung des Marktes plädiere. „Natürlich“, sagt er, „denn ohne Einschränkungen geht zu viel kaputt.“ Es brauche aber nicht nur Schutz und Regeln, was es vor allem brauche, seien Liebe und Einsatz für die Landschaft und ihre Produkte. Das sagt mein Gesprächspartner unmissverständlich.
Wie viel Wert diese Erkenntnisse sind, lässt sich in Siena und seiner Umgebung sehen. Das macht Mut, sich für die gleichen Werte auch hierzulande einzusetzen.
13/10: Gwärblermärit
Wieder ist die Strasse ein Stück weit gesperrt - wegen eines kurzen Feuerwehreinsatzes. Über eine Umleitung gelangen wir zu unserer Wohnung, die direkt an der Hauptstrasse liegt. Kein Verkehr auf der sonst stark befahrenen Hauptstrasse – das erinnert mich an den Gwärblermärit:
Damals hatte die Feuerwehr die ganze Strasse gesperrt, den Verkehr grossräumig umgeleitet.
Wo sonst Autos verkehren, sind am Märittag Fussgänger, sie flanieren von Stand zu Stand. Welche Vielfalt an Gewerbe in unsrem Dorf zuhause ist! Dachdecker, Zimmerleute, Schreiner, Spengler, Schmied, Brockenstube, Coiffeuse, Gemüsehandel und -verarbeitung, Gemüseladen, Lebensmittelgeschäft, Restaurant, Schlüsselservice, Nähatelier, Autogarage, Landmaschinen, Elektriker, Gärtner, Arzt, Tierarzt, Versicherung, Baugeschäft; an einem Stand ist auch die Feuerwehr vertreten. Ich höre von einer Druckerei, die neu ins Dorf kommt, von einer neuen Firma, die sich auf Solaranlangen spezialisiert hat.
Eine unglaubliche Vielfalt. Das widerspricht zum Glück dem Eindruck, das Gewerbe verlasse unser Dorf. Einige schmerzhafte Wegzüge und Betriebsaufgaben hat es auch schon gegeben.
Der Gwärblermärit gibt uns mitten im Dorf für einen Tag einen Begegnungsort, den viele offensichtlich geniessen. Gegen 11 Uhr morgens starte ich zu einem Spaziergang über den Märit. Von Begegnung zu Begegnung ziehe ich weiter. Nach sechs Stunden komme ich am Ende des Märits an, eine Strecke, die zu Fuss leicht in drei Minuten zurückzulegen ist.
Am Abend als die Stände weggeräumt, die Ausstellung vorbei ist, geht es weiter. Auf dem Parkplatz des Restaurants und bis an die Strasse stehen Tische und Stühle. Wir essen dort Znacht und geniessen die Piazza-Stimmung.
Damals hatte die Feuerwehr die ganze Strasse gesperrt, den Verkehr grossräumig umgeleitet.
Wo sonst Autos verkehren, sind am Märittag Fussgänger, sie flanieren von Stand zu Stand. Welche Vielfalt an Gewerbe in unsrem Dorf zuhause ist! Dachdecker, Zimmerleute, Schreiner, Spengler, Schmied, Brockenstube, Coiffeuse, Gemüsehandel und -verarbeitung, Gemüseladen, Lebensmittelgeschäft, Restaurant, Schlüsselservice, Nähatelier, Autogarage, Landmaschinen, Elektriker, Gärtner, Arzt, Tierarzt, Versicherung, Baugeschäft; an einem Stand ist auch die Feuerwehr vertreten. Ich höre von einer Druckerei, die neu ins Dorf kommt, von einer neuen Firma, die sich auf Solaranlangen spezialisiert hat.
Eine unglaubliche Vielfalt. Das widerspricht zum Glück dem Eindruck, das Gewerbe verlasse unser Dorf. Einige schmerzhafte Wegzüge und Betriebsaufgaben hat es auch schon gegeben.
Der Gwärblermärit gibt uns mitten im Dorf für einen Tag einen Begegnungsort, den viele offensichtlich geniessen. Gegen 11 Uhr morgens starte ich zu einem Spaziergang über den Märit. Von Begegnung zu Begegnung ziehe ich weiter. Nach sechs Stunden komme ich am Ende des Märits an, eine Strecke, die zu Fuss leicht in drei Minuten zurückzulegen ist.
Am Abend als die Stände weggeräumt, die Ausstellung vorbei ist, geht es weiter. Auf dem Parkplatz des Restaurants und bis an die Strasse stehen Tische und Stühle. Wir essen dort Znacht und geniessen die Piazza-Stimmung.
29/09: Es pressiert: Läset 2011
Wunderschön sahen die Rebstöcke aus am Wein- und Brottag. Wir feierten den Jahrgang 2010 und waren voller froher Erwartung für den nächsten Jahrgang. Wir planten den Läset für Mitte September und sahen mit Begeisterung wie wir Tag für Tag mehr Oechsle (Fruchtzuckergehalt) messen konnten. Letztes Jahr konnten wir mit weit über 90 Oechsle die Trauben lesen.
Doch mitten in diese frohe Erwartung brach eine Pilzkrankheit ein (Botrytis), bedingt durch das nass-warme Wetter Anfangs September. In rasantem Tempo wurden immer mehr Trauben befallen. Wir mussten den Läset notfallmässig vorverschieben, auch mit etwas weniger als 90 Oechsle.
Die eilig aufgebotene Mann- und Frauschaft erntete unter Zeitdruck die gesunden Trauben. Denn wir waren nicht die einzigen mit dem Botrytis-Problem. Bei unserm Winzer in Ins, Lorenz Hämmerli, herrschte Grossandrang.
Immerhin konnten wir etwa 500 Liter einkeltern. Nun sind wir gespannt, ob wir an die letztjährige Weinqualität anschliessen können (mehr und Bilder unter www.vbls.ch).
Für mich ist es beeindruckend, einmal „am eigenen Leib“ respektive an den eigenen Pflanzen zu erfahren, wie weh es tut, wenn Krankheiten auftauchen, grassieren und viel Hoffnung und Vorfreude vernichten.
Wir leben nicht vom Rebbau. Wie muss es einem aber zumute sein, wenn wegen einer Krankheit der Jahresertrag oder gar die Existenz in Frage gestellt wird?
Doch mitten in diese frohe Erwartung brach eine Pilzkrankheit ein (Botrytis), bedingt durch das nass-warme Wetter Anfangs September. In rasantem Tempo wurden immer mehr Trauben befallen. Wir mussten den Läset notfallmässig vorverschieben, auch mit etwas weniger als 90 Oechsle.
Die eilig aufgebotene Mann- und Frauschaft erntete unter Zeitdruck die gesunden Trauben. Denn wir waren nicht die einzigen mit dem Botrytis-Problem. Bei unserm Winzer in Ins, Lorenz Hämmerli, herrschte Grossandrang.
Immerhin konnten wir etwa 500 Liter einkeltern. Nun sind wir gespannt, ob wir an die letztjährige Weinqualität anschliessen können (mehr und Bilder unter www.vbls.ch).
Für mich ist es beeindruckend, einmal „am eigenen Leib“ respektive an den eigenen Pflanzen zu erfahren, wie weh es tut, wenn Krankheiten auftauchen, grassieren und viel Hoffnung und Vorfreude vernichten.
Wir leben nicht vom Rebbau. Wie muss es einem aber zumute sein, wenn wegen einer Krankheit der Jahresertrag oder gar die Existenz in Frage gestellt wird?
2010 gab es in der Schweiz 59‘065 landwirtschaftliche Betriebe, 969 weniger als im Jahr zuvor. Am meisten Betriebsaufgaben erfolgten bei den mittelgrossen Betrieben. Weniger Betriebe bedeuten auch weniger Beschäftigte. 2‘326 Personen verliessen die Landwirtschaft. Damit geht unserem Land auch Wissen verloren. Noch 167‘462 Personen arbeiten in der Landwirtschaft.
Der Landwirtschaft wird nicht nur personell, sondern auch materiell immer mehr Boden entzogen: Die landwirtschaftliche Nutzfläche betrug in der Schweiz im Jahr 2010 1‘051‘747 Hektaren. Gegenüber dem Vorjahr gingen 3‘902 Hektaren verloren. Das meiste Land wird für Überbauungen (Hoch- und Tiefbauten) verbraucht.
„Was geht mich das an?“ könnte man fragen, „Ich arbeite ja nicht in der Landwirtschaft und der Boden rentiert viel mehr, wenn man darauf baut.“
Diese Haltung lässt ausser Acht:
- Die Personen, die in der Landwirtschaft arbeiten, versorgen uns mit dem täglichen Brot. Ohne sie gibt es keine Ernährungssouveränität. Je mehr Personen das dafür nötige Wissen haben umso souveräner ist unsere Ernährung, umso souveräner ist die Bevölkerung unseres Landes.
- Was nützt uns alles schöne Wohnen, alle Mobilität, wenn die Nahrung fehlt? wenn wir Brot-los werden?
- Je unsicherer die ökonomische und politische Lage weltweit ist, umso wichtiger wird die Eigenständigkeit in der Ernährung, umso mehr brauchen wir landwirtschaftlichen Boden und Leute, die ihn bearbeiten können.
Der Landwirtschaft wird nicht nur personell, sondern auch materiell immer mehr Boden entzogen: Die landwirtschaftliche Nutzfläche betrug in der Schweiz im Jahr 2010 1‘051‘747 Hektaren. Gegenüber dem Vorjahr gingen 3‘902 Hektaren verloren. Das meiste Land wird für Überbauungen (Hoch- und Tiefbauten) verbraucht.
„Was geht mich das an?“ könnte man fragen, „Ich arbeite ja nicht in der Landwirtschaft und der Boden rentiert viel mehr, wenn man darauf baut.“
Diese Haltung lässt ausser Acht:
- Die Personen, die in der Landwirtschaft arbeiten, versorgen uns mit dem täglichen Brot. Ohne sie gibt es keine Ernährungssouveränität. Je mehr Personen das dafür nötige Wissen haben umso souveräner ist unsere Ernährung, umso souveräner ist die Bevölkerung unseres Landes.
- Was nützt uns alles schöne Wohnen, alle Mobilität, wenn die Nahrung fehlt? wenn wir Brot-los werden?
- Je unsicherer die ökonomische und politische Lage weltweit ist, umso wichtiger wird die Eigenständigkeit in der Ernährung, umso mehr brauchen wir landwirtschaftlichen Boden und Leute, die ihn bearbeiten können.