Einmal im Jahr brauche ich das. Ein paar Tage am Meer. Am liebsten an der Nordsee. Die ist rauh. Und stürmisch. Ganz klein und winzig kommst du dir dort vor. Der Wind weht dir ins Gesicht. Nein. Eigentlich weht er nicht. Er peitscht. Pustet dir den Kopf durch. Rückt deine Maßstäbe zurecht. Nordet dich wieder ein.
Wenn es stürmt wirst du klitschnass. Die Regenjacke, der Nerz der Friesen, klebt an deinem Körper. Du schmeckt das Salz des Meeres. Es geht nicht anders. Der Wind zerzaust deine Haare. Er macht, was er will. Du bist ihm ausgeliefert. Kannst dich zwar gegen ihn stemmen. Aber besiegen wirst du ihn nicht. Niemals. Er ist stärker als du. Du spürst seine Macht. Das Meer kommt näher und näher. Das Rauschen in deinen Ohren. Nein. Du hast keine Chance. Du bist winzig. Und klein.
Wie Treibholz spülen sich Gedanken in deinen Kopf. Gedanken, die du sonst selten denkst. Wer bin ich? Wieso lebe ich? Wohin will ich mit meinem Leben? Und du gehst deinen Weg. Den Strand entlang. Du hinterlässt Spuren. Immer wieder.
Und immer wieder kommt das Meer und frisst sie auf. Du kannst nicht anders. Du kannst ahnen, woher du kommst. Aber du kannst es nicht sehen. Auch wenn du zurück blickst. Du lebst auf der Grenze. Und die Grenze verschwimmt. Was ist fester Grund? Was ist Meer? Was eben noch war: Jetzt ist es weg. Nur du bist da. Du und dein Leben. Du und deine Fragen. Deine Zweifel und deine Hoffnungen.
Und was wird aus dir? Was lässt dich leben? Warum kannst du dem Meer entgegen treten? Warum schwemmt es dich nicht weg?
Vielleicht deshalb: Gott hat dich, wie das Meer die Fische hat. Die Fische leben vom Wasser. Sie sind im Wasser zu Hause. Sie durchschwimmen es. Sie bestehen ganz und gar daraus. Sie haben es in sich. Sie brauchen es zum Leben. Und später zerfallen sie wieder zu Wasser. Das Meer ernährt sie, gibt ihnen Sauerstoff zum Atmen. Die Fische sind im Wasser geborgen. Es trägt sie. Und es erhält sie.
Ob der Fisch weiß, was das Meer für ihn bedeutet, ist nicht wichtig. Ob der Mensch von seinem In-Gott-Sein weiss, ist auch nicht das Wichtigste. Hauptsache: Es ist so.