18/05: Armut
Vorgestern regnete es und ich hatte endlich Zeit, einen Besuch zu machen im Nachbardorf. Ein kleines Haus, eine bescheidene Stube. Feuer im Herd, Kaffee und viele Geschichten. Erlebnisse, Glueck und Unglueck der letzen Zeit. Dann die Bemerkung, dass sie kein Schweinefett haetten. Da koenne ich ihr aushelfen, warf ich ein. Wir haetten noch viel und braeuchten nur wenig davon. Am naechsten Tag kommt die Nachbarin, auch bei Regen, um das Fett abzuholen. Ich habe nachgedacht in der Zwischenzeit und frage nach, ob sie denn nicht geschlachtet haetten letzten Herbst. Nein. Da packe ich zum Fett Fleisch und Speck dazu. Hast Du Eier? Nicht wirlich, aber es sei schon gut. Eine Schachtel Eier dazu. Ich schaue die beiden Taschen an und fuehle einen Stich in mir. Haben nicht auch wir fuer dies alles gearbeitet, gehofft, bezahlt? Als ich der Nachbarin die Taschen in die Hand druecke, nimmt sie diese energisch an sich, bedankt sich und stiefelt durch den Regen davon. Mir wird fast schlecht. Wo habe ich bloss so rechnen gelernt...
Matthias wrote: