23/08: Besser als die Anderen?
Ich fragen mich angesichts der bevorstehenden Wahlen hier: Wen wuerde ich waehlen? Gar nicht waehlen? Fuer viele Menschen hier sind diese Fragen lange schon beantwortet. Es kommt nicht darauf an. Die Einen wie die Anderen arbeiten in ihren Positionen vor allem fuer sich und die Ihren. Wirkliche Alternativen gibt es nicht.
Erinnert mich an meinen Huehnerstall. Wenn ein neues Huhn in den Stall kommt, muss es sich unterordnen, die Aufnahme in die Hackordnung durchstehen. Beginnt es zu bluten, ist das sein Todesurteil. Am Anfang meiner Huehnerzuchtkarriere hatte ich oft Mitleid. Rettete das arme Huhn aus seiner Misere, z.B. indem ich es von den Huehnern zu den Huehnchen umsiedelte. Dort wuerde es wenigstens nicht attakiert. Doch kaum hatte das arme Huhn die Oberhand, begann es selbst mit derselben Brutalitaet auf den Huehnchen herumzuhacken. Das bessere Huhn existiert nicht.
Erinnert mich an meinen Huehnerstall. Wenn ein neues Huhn in den Stall kommt, muss es sich unterordnen, die Aufnahme in die Hackordnung durchstehen. Beginnt es zu bluten, ist das sein Todesurteil. Am Anfang meiner Huehnerzuchtkarriere hatte ich oft Mitleid. Rettete das arme Huhn aus seiner Misere, z.B. indem ich es von den Huehnern zu den Huehnchen umsiedelte. Dort wuerde es wenigstens nicht attakiert. Doch kaum hatte das arme Huhn die Oberhand, begann es selbst mit derselben Brutalitaet auf den Huehnchen herumzuhacken. Das bessere Huhn existiert nicht.
08/08: Die Frage zum Sonntag
Wie das Wetter ist auch die politische Grosswetterlage im Moment wechselhaft und unruhig. Wie so oft. Des einen Freud ist des anderen Leid. Waehrend die Einen ihre Befreiung feiern, betrauern die Anderen ihre Vertreibung. Und am naechsten Tag beschwoeren dann die Anderen ihren heldenhaften Kampf zur Verteidigung des Vaterland und die Einen weinen um ihre toten Familienmitglieder. Im Oktober sind Wahlen. Die Politiker der Einen und der Anderen leben von ihren Reden gegen die Anderen, bzw. die Einen. Viel mehr hat niemand zu bieten.
Doch stellt sich die Frage, haben wir mehr zu bieten? Das Wahlvolk, die Menschen in Bosnien und Herzegowina und wir Menschen ueberhaupt. Haben wir mehr zu bieten als Gefuehle in Schwarz und Weiss, Gedanken im engen Rahmen von Entweder-Du-Oder-Ich, mehr als Ueberlebensstrategien, mehr als Beduerfnisbefriedigung auf Kosten anderer lebender Wesen?
Doch stellt sich die Frage, haben wir mehr zu bieten? Das Wahlvolk, die Menschen in Bosnien und Herzegowina und wir Menschen ueberhaupt. Haben wir mehr zu bieten als Gefuehle in Schwarz und Weiss, Gedanken im engen Rahmen von Entweder-Du-Oder-Ich, mehr als Ueberlebensstrategien, mehr als Beduerfnisbefriedigung auf Kosten anderer lebender Wesen?
06/08: Warm anziehen
Im Moment donnert es. Gestern regnete es. Vorgestern war es 34 Grad. Letzte Woche streiften uns drei Minitornados. Davor war eine unertraegliche Hitze und dann fiel Regen, wie wenn der Himmel seine Schleusen geoeffnet haette. Vor einem Monat hagelte es verheerend. Ein unruhiges Jahr. Viele landwirschaftliche Kulturen sind beschaedigt oder vernichtet worden. Schon ist der Maispreis gestiegen. Dazu die Braende in Russland, das gestern eine Exportsperre fuer Weizen verhaengt hat. Und die Alten im Dorf prophezeihen einen harten Winter – die Akazien bluehen zum zweiten Mal. Wie klein wir doch sind, wie ausgesetzt und abhaengig. Bhuet Eus Gott!
21/06: Confoederatio Helvetica
Die Schweizer Nationalmannschaft spielt gegen Chile. Eine rote Karte fuer uns. Wie wird das Spiel wohl enden? Wie auch immer. Ich bin stolz auf unsere Nationalmannschaft, weil sie nichts mit Nationalitaet im hiesigen Sinne zu tun hat. Voll Freude und Ueberzeugung erklaere ich den Menschen hier, wie sehr es im Sinne unserer Staatsidee ist, dass Blaise, Gelson, Goekhan, Valon und wie sie alle heissen fuer ihre, fuer meine, fuer unsere Schweiz spielen. Dass wir – Gott sei Dank – in der Grundidee unseres Zusammenlebens nicht an Genetik, Hautfarbe und Herkunft gebunden sind.
Wo kaemen wir hin, wenn wir dieses Prinzip auch im Alltag gelten lassen wuerden...
Wo kaemen wir hin, wenn wir dieses Prinzip auch im Alltag gelten lassen wuerden...
19/05: Bereit zu teilen?
Wie in jedem Dorf, in jedem Ort der Welt, gibt es auch in unserem Dorf solche, die mehr haben und solche, die weniger haben. Immer mal wieder haben wir in der Nachbarschaft Anlass, darueber zu diskutieren, wie wir damit umgehen koennen, koennten, sollten. Ist der nicht selber schuld, der verarmt, weil er vom Ausverkauf dessen lebt, was er geerbt hat. Und hat der andere nicht jahrelang getrunken. Und arbeiten wir nicht haerter als andere, die weniger haben? Dazu kommt: Etwas zu geben, hilft dem anderen ja nicht wirklich. Ein paar Lebensmittel veraendern das Leben des andern Menschen nicht. Das Leben des anderen veraendern sie nicht. Meines aber schon. Sie decken meine gut versteckte Ueberzeugung auf, ich haette mir ein besseres Leben als andere verdient. Sie veraendern mein Gefuehl, ich koennte verlieren, wenn ich teile, was ich selbst zum Leben brauche. Was bin ich heute bereit zu teilen?
18/05: Armut
Vorgestern regnete es und ich hatte endlich Zeit, einen Besuch zu machen im Nachbardorf. Ein kleines Haus, eine bescheidene Stube. Feuer im Herd, Kaffee und viele Geschichten. Erlebnisse, Glueck und Unglueck der letzen Zeit. Dann die Bemerkung, dass sie kein Schweinefett haetten. Da koenne ich ihr aushelfen, warf ich ein. Wir haetten noch viel und braeuchten nur wenig davon. Am naechsten Tag kommt die Nachbarin, auch bei Regen, um das Fett abzuholen. Ich habe nachgedacht in der Zwischenzeit und frage nach, ob sie denn nicht geschlachtet haetten letzten Herbst. Nein. Da packe ich zum Fett Fleisch und Speck dazu. Hast Du Eier? Nicht wirlich, aber es sei schon gut. Eine Schachtel Eier dazu. Ich schaue die beiden Taschen an und fuehle einen Stich in mir. Haben nicht auch wir fuer dies alles gearbeitet, gehofft, bezahlt? Als ich der Nachbarin die Taschen in die Hand druecke, nimmt sie diese energisch an sich, bedankt sich und stiefelt durch den Regen davon. Mir wird fast schlecht. Wo habe ich bloss so rechnen gelernt...
25/04: Vom Himmel
Gestern hat mich ein kleines Maedchen im Vertrauen gefragt, ob denn eigentlich ein Sarg fuer immer in der Erde bleibe. Ich antwortete wahrheitsgemaess mit ja und fluechtete mich in das uralte Bild von der Aufteilung des Menschen in Koerper und Seele, um zu erklaeren, dass das doch nicht unser Ende sei. Die Seele komme ins Paradies. Was denn das Paradies sei, fragte das kleine Maedchen. Das sei ein wunderbarer Ort, im Himmel beim lieben Gott, erklaerte ich weiter. Das Maedchen unterbrach mich und trumpfte auf. Sie wisse, wie es im Himmel sei. Schwarz sei es und Erde habe es dort. „Schwarz und Erde?“, fragte ich irritert. „Ja“, sagte das Maedchen und begann von Sternen und eben von Erde zu erzaehlen, bis ich verstand, dass sie die Planeten meinte.
Wie aufgeklaert schon kleine Menschen sind und vorbereitet auf ein Leben ohne Enttaeuschungen. Auf ein Leben ohne Hoffnung, ohne Ueberraschungen, ohne Wunder. Heute werde ich absichtlich ein bisschen traeumen vom Paradies...
Wie aufgeklaert schon kleine Menschen sind und vorbereitet auf ein Leben ohne Enttaeuschungen. Auf ein Leben ohne Hoffnung, ohne Ueberraschungen, ohne Wunder. Heute werde ich absichtlich ein bisschen traeumen vom Paradies...
07/04: Weisch, was i meine?
„Warum schreibst Du nichts? Geht es Dir gut?“ Diese Fragen haben mich heute per Mail erreicht und mich beruehrt. Es geht mir gut. Die Telefonrechnung ist auch bezahlt, das Internet laeuft. Nur – ich hatte einerseits das Gefuehl, dass ich immer das Gleiche sage. Dass ich mit meinem immer gleichen Blick auf das Leben, immer nur das immer Gleiche erkenne. Obwohl ich weiss, dass es da noch mehr gibt - Anderes, Irritierendes, Erfreuliches, Groesseres, Kleineres, Schreckliches, Schoenes. Andereseits, wenn mir etwas Anderes widerfaehrt, mich beruehrt, kann ich kaum in Worte fassen, was ich wahrnehme in diesem Moment. In der Osterpredigt zum Beispiel, die mich zu Traenen geruehrt hat. In der Begegnung mit dem Tod, der das Seine in meiner Naehe sucht. Oder eben bei dieser wunderbare Frage: Geht es Dir gut?
Geht es Ihnen gut?
Geht es Ihnen gut?
12/03: Ko zna?
Es hat wieder geschneit. Die schwierige Lage hier spitzt sich weiter zu. Warum nun laesst der guetige Gott das zu, moegen Sie mich fragen. Ja, warum? Warum Not, warum Leid, warum Krankheit, warum Tod, warum Streit, warum Krieg, warum Trennung, warum Kuendigung, warum Missverstaendnisse, Hass, Einsamkeit? Es gibt viele moegliche Antworten auf diese Fragen: Rechten mit Gott, anklagen, klagen, zweifeln, verzweifeln oder auch rationales Unterscheiden. (Klimaveraenderungen sind z.B. durchaus hausgemacht von uns Menschen.)
Wie loesen Sie solche Situationen in ihrem Kopf, in ihrem Herzen? Unser Kum (Trauzeuge), seines Zeichens Atheist, sagt in solchen Situationen immer: Ko zna, zašto je to dobro! Wer weiss, wozu das gut ist. Ja, wer weiss, wozu das gut ist. Vielleicht der guetige Gott?
Wie loesen Sie solche Situationen in ihrem Kopf, in ihrem Herzen? Unser Kum (Trauzeuge), seines Zeichens Atheist, sagt in solchen Situationen immer: Ko zna, zašto je to dobro! Wer weiss, wozu das gut ist. Ja, wer weiss, wozu das gut ist. Vielleicht der guetige Gott?
06/03: Reformiert.
Heute scheint die Sonne. Ohne dass wir irgendwie darauf Einfluss genommen haben. Eine Wohltat fuer meinen reformiert gepraegten Geist. Der guetige Gott sorgt fuer uns, ohne dass wir etwas tun muessten. Oder auch nur tun koennten. Dieses Verwiesensein ohne Hilfsmittel zur Hand als das staendige Hoeren auf Gottes Wort, wirkt auf viele heute leer, armselig. Vor allem im Gegenueber zur Vielfalt der Moeglichkeiten auf dem religioesen Markt. Weihrauch und Pilgermarsch, Verzichtsuebungen und Bewusstseinserweiterung ermoeglichen religioese Erfahrungen, die in unserer kargen reformierten Welt so nicht machbar sind.
In meinem neuen Umfeld begegne ich vielen Ritualen und Praktiken, die fuer Erfolg noetig sind oder als Schutz durchgefuehrt werden. Einige sind eingebettet ins christliche Glaubensleben, andere gehoeren zum laendlich-magischen Untergrund. Faszinierend die Moeglichkeiten, die sich da auftun. Erschreckend, die Zwaenge, die sich daraus ergeben. Fange ich damit an, auf dieser Ebene mit der Welt in Kontakt zu treten, kann ich damit nicht mehr aufhoeren. Das Ritual will wiederholt sein. Muss wiederholt werden. Staendig droht Gefahr, Strafe, Verlust. Alles wird zum Zeichen, jeder zum potentiellen Uebeltaeter. Da lob ich mir unsere Kargheit, die mich in ihrer ganzen Armut manchmal einfach selig macht.
In meinem neuen Umfeld begegne ich vielen Ritualen und Praktiken, die fuer Erfolg noetig sind oder als Schutz durchgefuehrt werden. Einige sind eingebettet ins christliche Glaubensleben, andere gehoeren zum laendlich-magischen Untergrund. Faszinierend die Moeglichkeiten, die sich da auftun. Erschreckend, die Zwaenge, die sich daraus ergeben. Fange ich damit an, auf dieser Ebene mit der Welt in Kontakt zu treten, kann ich damit nicht mehr aufhoeren. Das Ritual will wiederholt sein. Muss wiederholt werden. Staendig droht Gefahr, Strafe, Verlust. Alles wird zum Zeichen, jeder zum potentiellen Uebeltaeter. Da lob ich mir unsere Kargheit, die mich in ihrer ganzen Armut manchmal einfach selig macht.