10/03: Ein Text von Wilhelm Bruners

Wie schon vor zwei Jahren durfte ich auch in diese Jahr wieder einen Vortrag im Rahmen des „Fastenkur(s) 2010 in der Augustinerkirche in Würzburg halten. Das Programm sah wie folgt aus:

Die grosse Kirche war an jedem Abend voll gefüllt! Und meist standen noch Menschen im hinteren Bereich.
Weil Würzburg nicht gerade „am Weg liegt“ möchte ich Ihnen einen Text von Wilhelm Bruners, dem katholischen Theologen und Lyriker, der am Abend nach mir sprach, nicht vorenthalten. Er ist, soweit ich weiss, noch nicht veröffentlicht, wurde aber schriftlich auf seinem Faltblatt für diesen Abend abgegeben:
„Von der Schwierigkeit über die Kirche
ein Gedicht zu schreiben
Über die Kirche ein Gedicht zu schreiben
ist nicht einfach in diesen Zeiten
well sie sich ständig verändert und verändert …
aber das haben wir ja gewollt eine sich
ständig wandelnde Kirche ein wanderndes Volk
in grosser Gemeinschaft mit anderen Gottsuchern
das sich bewegen lässt und in Zelten lebt
statt in unbeweglichen Gehäusen
und menschenfernen Tempeln
die bald keiner mehr bezahlen kann
Aber es gehen immer mehr Menschen
ihren eigenen Weg und so brauchen wir
bald auch keine Zelte mehr weil keiner
mehr kommt oder die noch kommen
wollen eine Kirche die das Gestern
heilig spricht und zurückkehrt in die
alten Riten und Vorschriften aber darauf
kann ich mir keinen Reim machen
und lassen sich keine Hymnen singen
wie es die gläubige Dichterin* noch konnte
Eher denke ich an den grossen Theologen
der von einer Winterzeit** sprach. Und die
erleben wir jetzt. Ich friere wenn ich
an meine Kirche denke die mich sprachlos
macht. Traurig blicke ich denen nach
die gehen oder schon gegangen sind
Doch ich bleibe weil ich Freunde habe
die mit mir die Träume nicht vergessen
die uns verändert haben in der Kirche“
w.bruners
* Gertrud von Le Fort (1876-1971) „Hymnen an the Kirche"
** Karl Rahner ( 1904-1984)
08/03: Der Kunde ist König!
Diese Einstellung hat mir schon immer gefallen. Ich geniesse es, wenn ich in einem Hotel oder Restaurant wie „ein König“ behandelt werde.
Und ich finde, das sollte auch im Seelsorge- und Beratungsbereich gelten: Der „Kunde“ soll auch da „König“ sein.
In einem alten deutschen Sprichwort heisst es:
„In jedem Menschen steckt ein König. Sprich zu dem König, und er wird herauskommen.“
Das erlebe ich: Wenn ich meinem Gegenüber mit „königlicher Wertschätzung“ begegne, dann erlebe ich Vertrauen und die Bereitschaft zu einem konstruktiven Gespräch!
Und ich finde, das sollte auch im Seelsorge- und Beratungsbereich gelten: Der „Kunde“ soll auch da „König“ sein.
In einem alten deutschen Sprichwort heisst es:
„In jedem Menschen steckt ein König. Sprich zu dem König, und er wird herauskommen.“
Das erlebe ich: Wenn ich meinem Gegenüber mit „königlicher Wertschätzung“ begegne, dann erlebe ich Vertrauen und die Bereitschaft zu einem konstruktiven Gespräch!
05/03: Fehler
Sie passieren ihr immer wieder. Wem geht es nicht auch so! Das tröstet sie aber nicht. Und wenn sie einen Fehler macht, reagiert sie so kopflos und ungeschickt, dass es immer noch schlimmer wird. Und es gilt wieder einmal der Satz: Alle Fehler, die man hat und die man macht, sind verzeihlicher als die Mittel, die man anwendet, um sie zu verbergen oder zu vertuschen!
Leider war mir im Gespräch mit dieser Frau diese Geschichte noch nicht bekannt. Ich hätte sie ihr gern erzählt. Ich es darum hier. Vielleicht hilft sie anderen Menschen:
„Der Cellist Gregor Piatigorsky über sein erstes Zusammentreffen mit Pablo Casals: "Er forderte mich auf, mit Rudolf Serkin eine Beethovensonate zu spielen. Wir waren aufgeregt und pfuschten, und Casals rief immer wieder 'Wundervoll!' und 'Grossartig!' Am Schluss umarmte er mich, und ich grübelte tagelang, warum er, der doch jeden Fehler gehört haben musste, so begeistert tat. Einige Jahre später traf ich ihn in Paris wieder. Da fasste ich mir ein Herz und gestand ihm meinen Zweifel an der Aufrichtigkeit seines Lobes. Casals griff zu seinem Instrument und spielte einige Takte aus jener Sonate. 'Haben Sie diese Stelle nicht mit jenem Fingersatz gespielt? Und das hier: Mit Aufstrich, nicht wahr?' Ich bejahte. 'Sehen Sie', sprach Casals. 'Das war wunderbar, und ich bin Ihnen heute noch dankbar dafür. Die Fehler zu zählen, können Sie den Dummen überlassen.'“
Leider war mir im Gespräch mit dieser Frau diese Geschichte noch nicht bekannt. Ich hätte sie ihr gern erzählt. Ich es darum hier. Vielleicht hilft sie anderen Menschen:
„Der Cellist Gregor Piatigorsky über sein erstes Zusammentreffen mit Pablo Casals: "Er forderte mich auf, mit Rudolf Serkin eine Beethovensonate zu spielen. Wir waren aufgeregt und pfuschten, und Casals rief immer wieder 'Wundervoll!' und 'Grossartig!' Am Schluss umarmte er mich, und ich grübelte tagelang, warum er, der doch jeden Fehler gehört haben musste, so begeistert tat. Einige Jahre später traf ich ihn in Paris wieder. Da fasste ich mir ein Herz und gestand ihm meinen Zweifel an der Aufrichtigkeit seines Lobes. Casals griff zu seinem Instrument und spielte einige Takte aus jener Sonate. 'Haben Sie diese Stelle nicht mit jenem Fingersatz gespielt? Und das hier: Mit Aufstrich, nicht wahr?' Ich bejahte. 'Sehen Sie', sprach Casals. 'Das war wunderbar, und ich bin Ihnen heute noch dankbar dafür. Die Fehler zu zählen, können Sie den Dummen überlassen.'“
03/03: Einsicht
Danach suchen viele Menschen. Ja in manchen Gesprächen geht es nur darum: um Einsicht. Sie erst macht weitere Schritte möglich.
Leider ist aber der Weg zur Einsicht nicht immer einfach. Das Licht geht und geht nicht auf! Die Münze fällt und fällt nicht. Man wagt das Thema, um das es wirklich geht, nicht ansprechen. Ja, nur nicht die Dinge beim Namen nennen. Damit verlängert sich aber nur das Leiden!
Was löst den Knoten?
Das zu finden, ist manchmal recht schwierig. Und nicht immer geht es so einfach, wie in dieser Geschichte:
Ein Mann sitzt im Restaurant. Er bestellt sich eine Suppe. Der Kellner bringt diese und stellt sie auf den Tisch. Er dreht sich um und will gehen, da spricht ihn der Mann an: "Probieren sie mal die Suppe!"
Kellner: "Kein Problem, wenn die Suppe zu kalt ist, tausche ich sie aus."
Mann: „Nein, nein, probieren Sie sie selber mal!“
Kellner: „Aber, mein Herr, ist gar kein Problem, ich bringe Ihnen eine neue, wunderbare frische und warme Suppe.“
Mann: „Probieren Sie!“
Kellner: „Also...“
Mann: „Probieren, habe ich gesagt!“
Der Kellner setzte sich: „Wo ist denn der Löffel?“
Mann: „Eben!“
Leider ist aber der Weg zur Einsicht nicht immer einfach. Das Licht geht und geht nicht auf! Die Münze fällt und fällt nicht. Man wagt das Thema, um das es wirklich geht, nicht ansprechen. Ja, nur nicht die Dinge beim Namen nennen. Damit verlängert sich aber nur das Leiden!
Was löst den Knoten?
Das zu finden, ist manchmal recht schwierig. Und nicht immer geht es so einfach, wie in dieser Geschichte:
Ein Mann sitzt im Restaurant. Er bestellt sich eine Suppe. Der Kellner bringt diese und stellt sie auf den Tisch. Er dreht sich um und will gehen, da spricht ihn der Mann an: "Probieren sie mal die Suppe!"
Kellner: "Kein Problem, wenn die Suppe zu kalt ist, tausche ich sie aus."
Mann: „Nein, nein, probieren Sie sie selber mal!“
Kellner: „Aber, mein Herr, ist gar kein Problem, ich bringe Ihnen eine neue, wunderbare frische und warme Suppe.“
Mann: „Probieren Sie!“
Kellner: „Also...“
Mann: „Probieren, habe ich gesagt!“
Der Kellner setzte sich: „Wo ist denn der Löffel?“
Mann: „Eben!“
Es kann passieren! Dazu diese Rabbi-Geschichte:
Zwei Juden haben schon seit einigen Tagen Streit. Schliesslich gehen sie in ihrer Not zum Rabbi und fragen:
"Du, Rabbi, ist schwarz eine Farbe?".
Der Rabbi überlegt, wägt ab und ab und kommt schliesslich zu dem Schluss:
"Ja, schwarz ist eine Farbe."
Das hilft den beiden aber nicht wirklich weiter, denn sie streiten und streiten und streiten. Sie müssen noch einmal zum Rabbi und fragen:
"Du, Rabbi, ist weiss eine Farbe?"
Der Rabbi überlegt wieder lange das für und wieder, nickt endlich und findet:
"Ja, weiss ist auch eine Farbe."
Da scheint der eine unzufrieden zu sein, aber der andere strahlt und streckt die Hand zur Versöhnung hin:
"Siehst Du? Hab ich dir also doch einen Farbfernseher verkauft!"
Zwei Juden haben schon seit einigen Tagen Streit. Schliesslich gehen sie in ihrer Not zum Rabbi und fragen:
"Du, Rabbi, ist schwarz eine Farbe?".
Der Rabbi überlegt, wägt ab und ab und kommt schliesslich zu dem Schluss:
"Ja, schwarz ist eine Farbe."
Das hilft den beiden aber nicht wirklich weiter, denn sie streiten und streiten und streiten. Sie müssen noch einmal zum Rabbi und fragen:
"Du, Rabbi, ist weiss eine Farbe?"
Der Rabbi überlegt wieder lange das für und wieder, nickt endlich und findet:
"Ja, weiss ist auch eine Farbe."
Da scheint der eine unzufrieden zu sein, aber der andere strahlt und streckt die Hand zur Versöhnung hin:
"Siehst Du? Hab ich dir also doch einen Farbfernseher verkauft!"
26/02: Das kann passieren!
Der Mann hatte grosse Angst, dass ich ihn auslache oder nicht ernst nehme. Dann platzt es aus ihm heraus:
„Ich höre Stimmen!“
„Wann?“, will ich wissen.
„Wenn ich bete!“
„Schön!“, gebe ich zur Antwort.
„Nein! Ganz und gar nicht schön!“
„Warum nicht schön?“
„Die Stimmen sagen mir, was ich tun soll!“
„Das ist doch super!“
„Ganz und gar nicht! Dann müsste ich ja zu Kreuze kriechen und mich entschuldigen und die Sache wieder in Ordnung bringen!“
„Wollen Sie, dass die Stimmen verschwinden?“
„Ja! Darum bin ich bei Ihnen!“
„Dann tun Sie, was die Stimmen verlangen! Dann finden Sie und wohl auch die Anderen Ihren Frieden!“
„Und ich verliere mein Gesicht!“
„Das glaube ich nicht! Im Gegenteil! Sie gewinnen ein neues, besseres Gesicht!“
„Sicher?“
„So ist Gott! Gut, dass er mit Ihnen spricht!“
„Ich höre Stimmen!“
„Wann?“, will ich wissen.
„Wenn ich bete!“
„Schön!“, gebe ich zur Antwort.
„Nein! Ganz und gar nicht schön!“
„Warum nicht schön?“
„Die Stimmen sagen mir, was ich tun soll!“
„Das ist doch super!“
„Ganz und gar nicht! Dann müsste ich ja zu Kreuze kriechen und mich entschuldigen und die Sache wieder in Ordnung bringen!“
„Wollen Sie, dass die Stimmen verschwinden?“
„Ja! Darum bin ich bei Ihnen!“
„Dann tun Sie, was die Stimmen verlangen! Dann finden Sie und wohl auch die Anderen Ihren Frieden!“
„Und ich verliere mein Gesicht!“
„Das glaube ich nicht! Im Gegenteil! Sie gewinnen ein neues, besseres Gesicht!“
„Sicher?“
„So ist Gott! Gut, dass er mit Ihnen spricht!“
24/02: Sorgen um den Bundesrat
Auch das hat in der Seelsorge Platz: Da ist eine Frau tief bekümmert über die Angriffe auf die verschiedenen Bundesräte. „Das sind doch auch nur Menschen! Würden Sie oder ich es besser machen?“ Das ist die eine Stimme – und manches Mal auch meine Stimme.
Die andere Stimme hörte ich bei Andreas Thiel’s Politsatire 3. Da werden die Bundesräte immer wieder zerpflückt mit wohl gewählten Worten, spitzer Zunge und mancher Fallhöhe. Nur über eine Bundesrätin hören wir aus seinem Mund immer das Gleiche: Doris Leuthard: sie lächelt!
Ich glaube zu wissen, was er meint. Trotzdem:
Bundesräte – Männer und Frauen -, die lächeln, würde ich mir wünschen!
So wie ich mir überhaupt Menschen wünsche, die lächeln. Lächeln wir uns doch freundlich an!
Die andere Stimme hörte ich bei Andreas Thiel’s Politsatire 3. Da werden die Bundesräte immer wieder zerpflückt mit wohl gewählten Worten, spitzer Zunge und mancher Fallhöhe. Nur über eine Bundesrätin hören wir aus seinem Mund immer das Gleiche: Doris Leuthard: sie lächelt!
Ich glaube zu wissen, was er meint. Trotzdem:
Bundesräte – Männer und Frauen -, die lächeln, würde ich mir wünschen!
So wie ich mir überhaupt Menschen wünsche, die lächeln. Lächeln wir uns doch freundlich an!
22/02: Alles hat er ausprobiert
Nun sitzt er bei mir und berichtet von seinem Leben. Alles hat er ausprobiert, das, was erlaubt war, und das, was nicht erlaubt war – und immer ohne Rücksicht auf Verluste. Nun ist er ein Wrack, leidet und klagt. „Warum hat mich niemand aufgehalten? Warum hat Gott mich nicht aufgehalten? Wo waren die Schutzengel?“
Und mir kommt ein Satz in den Sinn, den ich irgendwo aufgeschnappt habe, und der mir ganz wichtig geworden ist. Es ist noch nicht die Hilfe, die ich ihm geben kann, aber eine Antwort auf eine seiner Fragen:
„Schutzengel desertieren, wenn sie überfordert werden.“
Und mir kommt ein Satz in den Sinn, den ich irgendwo aufgeschnappt habe, und der mir ganz wichtig geworden ist. Es ist noch nicht die Hilfe, die ich ihm geben kann, aber eine Antwort auf eine seiner Fragen:
„Schutzengel desertieren, wenn sie überfordert werden.“
19/02: Frage
17/02: Zum Thema kommen
Manchmal ist kaum die Türe zu in meinem Seelsorgezimmerchen und schon ist mein Gegenüber beim Hauptthema, um das es ihr oder ihm geht. Manchmal aber braucht es lange und viel Geduld, bis das kommt, worum es im Gespräch gehen soll. Und manches Mal kommt und kommt es einfach nicht, das, worum es gehen soll. Dann sage ich: „Ich habe noch fünf Minuten für Sie!“ Und sofort sind wir beim Thema.
Manchmal ist es sogar so, dass erst beim Adieu-Sagen das kommt, was entscheidend und wichtig ist.
Dazu diese Rabbi-Geschichte.
Eine Frau kommt zu ihm und meint: „Rabbi, ich will mich scheiden lassen!“
„Warum?“
„Mein Mann will, dass wir ein Kind haben!“
„Aber das ist doch ein ganz normaler Wunsch ihres Gatten!“
„Nein, ich will das nicht!“
„Aber das ist doch der Sinn einer Ehe, dass auch eine Familie daraus entstehen kann! Warum wollen sie das denn nicht?“
„Weil wir schon zehn Kinder haben!“
Am Schluss kommt es, das, was entscheidend ist!
Manchmal ist es sogar so, dass erst beim Adieu-Sagen das kommt, was entscheidend und wichtig ist.
Dazu diese Rabbi-Geschichte.
Eine Frau kommt zu ihm und meint: „Rabbi, ich will mich scheiden lassen!“
„Warum?“
„Mein Mann will, dass wir ein Kind haben!“
„Aber das ist doch ein ganz normaler Wunsch ihres Gatten!“
„Nein, ich will das nicht!“
„Aber das ist doch der Sinn einer Ehe, dass auch eine Familie daraus entstehen kann! Warum wollen sie das denn nicht?“
„Weil wir schon zehn Kinder haben!“
Am Schluss kommt es, das, was entscheidend ist!