Der letzte Abschnitt von David Signer im NZZ am Sonntag Artikel „Das Wort zum Einschlafen“ finde ich bedenkenswert: „Vielleicht müsste ein Prediger heute wieder bei null anfangen und versuchen, all die Atheisten, Agnostiker, Skeptiker und Soso-la-la-Gläubigen abzuholen. Also die Mehrheit. Das wäre eine radikale Herausforderung. Sonst geht es wahrscheinlich vielen, die sonst kaum in die Kirche gehen, so wie mir: Ein grosser Teil der Predigt perlt schlichtweg ab. Es wäre schön, all das glauben zu können, dachte ich. Aber es schien mir obsolet, banal, diffus. So weit weg wie der leere Himmel an diesem Sonntagnachmittag.“
Dazu folgende Gedanken:
Vieles, was mit Kirche zu tun hat, wirkt für viele Zeitgenossen verstaubt und nicht mehr selbstverständlich, weil es nicht mehr verständlich ist. In einer Zeit, da man sich permenant informiert,pauschal kritisiert und sich gerade in religiöser Hinsicht nachhaltig distanziert, liegt es auf der Hand, dass man nicht mehr weiss, was Religion mit dem eigenen Leben zu tun haben soll.
Ich denke, es gehörte zum Markenzeichen der refomierten Kirche, die Menschen von heute in ihrer momentanen Befindlichkeit miteinzubeziehen. Nicht oberflächlich, modisch und trendig, und auch nicht provokativ oder anbidernd, aber durchaus darauf ausgerichtet, dass man als der Mensch, der man rational und emotional ist, vorkommt, dass man mit seinem Menschsein Platz hat, dass Raum entsteht für die Stille, die Besinnung - auch in einem selbst, dass auch Raum ensteht für das Transzendente, für das, was uns körperlich seelisch übersteigt, für das, was einem heilig ist, wo Dankbarkeit entsteht für das, was wir an Gaben haben. Wo auch der Zweifel Platz hat am Sinn der Welt, so wie sie ist.Wo auch das Erschrecken ab dem leeren Himmel am Sonntagnachmittag Platz hat und ab der Leere in der eigenen Seele. Wo durchaus auch die Empörung ab der Absurdität des Lebens Platz hat.